
Die Kooperation von Freiwilligen und Hauptamtlichen
Ausschlaggebend für den Erfolg eines Freiwilligeneinsatzes ist das Verhältnis zu den Hauptamtlichen. Viele Probleme der Freiwilligenarbeit haben hier ihre Wurzeln. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich von Beginn an mit der Problematik zu befassen und auf ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis hinzuarbeiten.
Was macht das Verhältnis zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen so schwierig?
Es bestehen eine Reihe von Vorurteilen und Ängsten, vor allem auf Seiten der Hauptamtlichen. Da sie aufgrund ihres Erfahrungsvorsprungs und ihrer stärkeren Präsenz in der Bibliothek die bestimmende Rolle im Verhältnis zu den Freiwilligen einnehmen, steht die Begegnung ihrer Vorurteile und Ängste im Vordergrund. Ein gelungener Freiwilligeneinsatz ist ohne die Zerstreuung dieser Bedenken nicht realisierbar.
Hauptaugenmerk gilt dabei der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. Aber auch Bedenken bezüglich eines Qualitätsverlusts und der Angst vor einem gesteigerten Konkurrenzdruck müssen berücksichtigt werden. Außerdem stellt sich für die Hauptamtlichen die Frage, inwieweit sich der Einsatz für sie als eine höhere Arbeitsbelastung darstellt und wie diese von der Bibliotheksleitung berücksichtigt wird. Auf Seiten der Freiwilligen besteht die Befürchtung, von den Hauptamtlichen nicht ernst genommen und respektiert zu werden.
Diesen Ängsten und Vorurteilen muss gezielt entgegen getreten werden. Dies gelingt, wenn Sie bei dem Einsatz einige Grundsätze beachten:
• Einbeziehung
Schon in der Planungsphase sollten die Hauptamtlichen einbezogen werden. Die Entscheidung, welche Arbeitsfelder für den Einsatz in Frage kommen, bietet sich hier an. Die Hauptamtlichen können sich dabei auf ihre Arbeitserfahrung stützen, durch den Publikumsverkehr sind sie außerdem darüber informiert, welche zusätzlichen Angebote den Kundenwünschen entsprechen. Durch die Mitsprache wird die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust oder unbekannter Konkurrenz entschärft.
• Transparenz
Die Intention, die hinter dem Einsatz steht, muss offen kommuniziert werden: Warum wollen wir mit Freiwilligen arbeiten, welcher Nutzen wird erwartet, welche Rolle wird den Freiwilligen in der Bibliothek zukommen? Dabei ist es wichtig, dass die Unterschiede zwischen Freiwilligen und Hauptamtlichen klar benannt werden. Für beide Seiten ist es frustrierend, wenn es in den Aufgabenbereichen keine Unterschiede gibt, das gegenseitige Konkurrenz¬empfinden wird begünstigt. Vermeiden Sie dabei aber Einteilungen in Profis und Laien, sondern heben sie die verschiedenen Stärken der beiden Gruppen hervor.
• Kommunikation
Der Schlüssel zur Überwindung von Vorurteilen ist die Kommunikation, das gegenseitige Kennen lernen. Deshalb sollte für den Austausch beider Gruppen genügend Zeit und Raum eingeräumt werden. Einerseits intensiv in der Startphase, andererseits regelmäßig in der Folgezeit. Da die Freiwilligen deutlich seltener anwesend sind und meistens nur wenige Stunden in der Woche arbeiten, ist eine Neuorientierung in der Informationspolitik nötig. Der Austausch der arbeitsrelevanten Informationen muss stärker organisiert werden.
• Qualität
Sorgen, dass durch den Einsatz der Freiwilligen ein Qualitätsverlust entstehen könne, müssen zerstreut werden. Zum einen bedarf es dafür einer Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen für den Umgang mit den Freiwilligen. Zum anderen müssen die Freiwilligen auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Um auftauchende Probleme oder Missverständnisse schnell identifizieren und auf sie reagieren zu können, braucht es eine kontinuierliche Evaluation der Zusammenarbeit. Als Teil der Informationspolitik müssen Probleme in der Zusammenarbeit regelmäßig erfasst werden. Um die fachliche Qualität der Bibliotheksarbeit zu gewährleisten, müssen den Freiwilligen die Grenzen ihrer Einsatzmöglichkeiten verdeutlicht werden.
Literatur
• Badelt, Christoph [Hrsg.]: Handbuch der Nonprofit-Organisation: Strukturen und Management. (2007).
• Biedermann, Christiane: Teamgeist gefragt - Hauptamt versus Ehrenamt. In: Menschen. Ideen. Projekte. Abschlussdokumentation des Wettbewerbs "startsocial" 2001.
• Kegel, Thomas: Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen.
http://www.cbe-mh.de/fileadmin/upload/infothek/cbe_mat_kegel.pdf
• Wagner, Bernd: Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement in der Kultur. In: Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement in der Kultur. Bonn 2000.