
Motivation und Anerkennung
Motive
Auch wenn Freiwillige keine finanziellen Forderungen an ihren Einsatz binden, so knüpfen sie doch individuelle Erwartungen an ihr Engagement. Diese Erwartungen oder Motive müssen bei der Entscheidung über die Form der Anerkennung berücksichtigt werden, damit die Anerkennung von den Freiwilligen auch als solche begriffen wird. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Untersuchungen zu den Motiven, die mit freiwilligem Engagement verbunden sind wie:
• Freiwilligensurvey (1999, 2004)
• Debrow, Anja; Pilzer, Harald: ...weil ich etwas Sinnvolles tun möchte!
Freiwilligen-Arbeit in der Stadtbibliothek Bielefeld - ein Erfahrungs- und Zwischenbericht aus einem sozialen und berufspolitischen Experiment. In: PRO LIBRIS 10 (2005) 2.
• The Volunteer Spirit in Canada: Motivations and Barriers
• Ergebnisse der vbnw-Umfrage (Zeddies 2007)
Wichtigste Erkenntnisse:
Als bedeutendste Motive werden studienübergreifend hedonistische Ziele (wie Spaß an der Arbeit), Motive der sozialen Hilfsbereitschaft, gemeinwohlbezogene Ziele und Sozialkontaktmotive genannt. Es ist also mitnichten so, dass rein altruistische Beweggründe zu einem freiwilligen Engagement führen. Stattdessen erwarten die Freiwilligen häufig einen Gegenwert für ihren Einsatz - ob dies nun Spaß, Geselligkeit oder die Selbstverwirklichung ist.
Um die Motive etwas intensiver zu beleuchten, wurde im Herbst 2007 eine Umfrage unter den in nordrhein-westfälischen Bibliotheken engagierten Freiwilligen durchgeführt. Die Antworten von 205 Freiwilligen bilden die Grundlage der Ergebnisse. Die Umfrage zeigt, dass verschiedene Motivationen im Vordergrund stehen: inhaltlich wird eine große Verbundenheit mit dem Medium Buch ebenso wie der Wunsch, mit oder für Kinder zu arbeiten, genannt. Als besonders wichtig bewerten sie außerdem, dass die Tätigkeit Spaß macht und sie mit sympathischen Menschen zusammenkommen.
Bei der ersten Abbildung wurden die Freiwilligen gebeten, auf einer Skala von 1(Unwichtig) bis 5 (sehr wichtig), die Bedeutung der vorgegebenen Motive zu bewerten. Die zweite Abbildung stellt eine Zusammenfassung der von den Freiwilligen selbst formulierten Motive dar.


Anerkennung
Die Motive der Freiwilligen sind ein Aspekt, der bei der Wahl der Anerkennungsform bedacht werden muss. Aber auch weitere individuelle Merkmale sind in die Überlegungen einzubeziehen. So können sich die Interessen von Jugendlichen und Senioren deutlich unterscheiden. Während Sie beim einen mit der Aushändigung einer Ehrennadel auf pure Verwunderung stoßen, wird der andere einen mp3-Player nicht als Würdigung verstehen.
Unabhängig von Motivation und Interessen ist eine Form der Anerkennung unentbehrlich: die ehrliche Anerkennung der Leistung der Freiwilligen durch das Bibliothekspersonal und die Bibliotheksleitung. Ausdruck findet dieses in der Berücksichtigung von Ideen und Vorschlägen der Freiwilligen, der Einbeziehung in Entscheidungen, der Teilnahme an Besprechungen, dem Feedback zur Arbeit, dem ausgesprochenen Lob und auch in einem professionellen Freiwilligenmanagement. Es ist wichtig, dass die Freiwilligen sich ernst genommen und respektiert fühlen.
Diese Kultur der Anerkennung muss von der Bibliotheksleitung aktiv unterstützt werden, auch in der Einbeziehung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Nur Mitarbeiterinnen, die sich selber respektiert fühlen, können Freiwillige ebenso behandeln.
Eine hohe Ansiedlung des Freiwilligenmanagements innerhalb der Bibliotheks¬organisation sendet ein wichtiges Signal: Hier werden Freiwillige und ihr Engagement ernst genommen!
Formen der Anerkennung:
• Kostenerstattung:
• für Fahrt- oder Parkkosten
• für Kinderbetreuung
• Erstattung von Materialkosten, die durch die freiwillige Tätigkeit anfallen (wie Bastelutensilien oder Aufwandsentschädigungen fürs Kuchen backen)
• pauschale monatliche Aufwandsentschädigungen
• Steuerfreibetrag
• Symbolische Anerkennung:
• Gratulationsschreiben zu Geburtstagen etc.
• Verleihung von Ehrennadeln, Urkunden
• öffentliche Danke-Veranstaltungen (wie zum internationalen Tag des Ehrenamtes am 5.12.)
• Empfänge von Politikern
• Eintrag ins Gästebuch der Stadt
• Dokumentation des Engagements (über Stellwände, Bibliotheks¬publikationen, Presseberichte, den Webauftritt)
• Eintragung ins Zeugnis (Beiblatt zum Ehrenamt/Außerschulisches Engagement als pdf herunterladbar unter www.schulinfos.de URKUNDE.pdf, weitere Informationen unter www.schulinfos.de beiblatt/beiblatt.html)
• schriftlicher Nachweis über das freiwillige Engagement, z.B. Landes¬nachweis NRW (siehe Seite 59)
• Vertrauensbeweise (wie die Aushändigung von Schlüsseln)
• Nichtmonetäre Leistungen
• kostenloser Bibliotheksausweis
• Freier/verbilligter Eintritt zu Veranstaltungen der Bibliothek/der Stadt
• kleine Geschenke zu Anlässen wie Geburtstagen, Weihnachten (Blumenstrauß, Büchergeschenke)
• Qualifizierungsangebote für Freiwillige und Hauptamtliche
• Einladungen zu Feierlichkeiten der Bibliothek oder Extra-Veranstaltungen nur für Freiwillige (z.B. Neujahrsempfang)
• organisierte Ausflüge
• Angebot an Gratisgetränken (z.B. Kaffee) während des Einsatzes
• Sonstige Anerkennung
• regelmäßige Betreuung und Treffen mit den Freiwilligen
• regelmäßiges (und ehrliches!) ausgesprochenes Dankeschön für den Einsatz
Landesnachweis NRW
Wozu einen Nachweis erstellen? Der Nachweis über das Ehrenamt erfüllt zwei Zwecke: zum einen stellt er eine Form der Anerkennung dar. Die Aushändigung des Nachweises zum Abschluss eines freiwilligen Engagements sollte im Idealfall in einem feierlichen Rahmen geschehen, sodass der scheidende Freiwillige sich gewürdigt fühlt und gleichzeitig ein Anreiz zum freiwilligen Engagement geschaffen wird. Zum anderen kann er vor allem jüngeren Menschen beim (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben als Nachweis über erworbene Fähigkeiten dienen.
Egal, ob Sie den offiziellen Nachweis füllen oder einen eigenen erstellen, wichtig sind die Inhalte des Dokuments. Eine gute Hilfe bei der Erstellung ist die Arbeitshilfe „Macht unsichtbare Qualifikationen sichtbar!“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland. In dieser Broschüre werden Informationen und Beispiele zu den Inhalten, die ein solcher Nachweis umfassen sollte, gegeben:
• Angaben zur Person (Name, Adresse, Geburtsdatum), Dauer des Einsatzes und Einsatzort
• Kurze Aufzählung der Tätigkeiten, die ausgeführt wurden
• Nennung der Qualifikationen, die die oder der Freiwillige erworben hat bzw. mit einbrachte (Soft skills wie Organisationstalent oder Teamfähigkeit, eigene Kompetenzen wie Belastbarkeit; methodische Kompetenzen wie die Fähigkeit, eine Sitzung zu leiten oder Gespräche zu moderieren und Fachkenntnisse)
• Angaben zu Schulungen und Fortbildungen, die im Rahmen der Tätigkeit absolviert wurden
• Dankesformel
• Möglich: Angabe einer Referenzperson
Die unterschiedlichen Inhaltsbereiche sollten durch Absätze deutlich von einander getrennt werden. Es empfiehlt sich, den Nachweis in ganzen Sätzen zu formulieren, um deutlich zu machen, dass die betreffende Person die Zeit und Mühe einer Ausformulierung Wert ist. Lediglich bei dem Absatz zu den Arbeitsfeldern/Tätigkeiten ist es sinnvoll ihn der Übersichtlichkeit halber als Liste zu gestalten.
Um den offiziellen Landesnachweis des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW anbieten zu können, müssen sich Institutionen mit dem Ministerium in Verbindung setzen. Laut Auskunft des Ministeriums vom 05.09.2007 sind unter den Ausstellern bisher noch keine Öffentlichen Bibliotheken verzeichnet. Es ist aber möglich, dass die Kommune bereits über eine Ausstellungsberechtigung verfügt. Bevor Sie selbst einen Antrag stellen, wenden Sie sich an Ihre Kommune. Weitere Informationen zu dem formalisierten Vordruck des Landes NRW inklusive eines Musternachweises finden sie unter: http://www.mgffi.nrw.de/ehrenamt/index.php.
Um die Dokumentation der gewählten Anerkennungsformen zu erleichtern, steht Ihnen das Formular "Anerkennung" zur Verfügung.
Literatur:
• Biedermann, Christiane: Was heißt Freiwillige managen? - Grundzüge des Freiwilligenmanagements,. In: Nährlich, Stefan; Zimmer, Annette [Hrsg.]: Management in Nonprofit-Organisationen. Eine praxisorientierte Einführung. Bürgerschaftliches Engagement und Nonprofit-Sektor. Bd. 2. Opladen 2000.
• Debrow, Anja; Pilzer, Harald: ...weil ich etwas Sinnvolles tun möchte! Freiwilligen-Arbeit in der Stadtbibliothek Bielefeld - ein Erfahrungs- und Zwischenbericht aus einem sozialen und berufspolitischen Experiment. In: PRO LIBRIS 10 (2005) 2.
• Farago, Peter und Herbert Ammann [Hrsg.]: Monetarisierung der Freiwilligkeit. Zürich 2006.
• Förderverein für Jugend und Sozialarbeit (fjs) e.V., Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland [Hrsg.]: Lehrbuch strategisches Freiwilligen-Management Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland. Berlin 2004.
• Schumacher, Jürgen und Karin Stiehr: Handbuch für die Freiwilligenarbeit von und mit älteren Menschen. Stuttgart 2002.
• Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004. Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement.http://www.bmfsfj.de/Kategorien /Forschungsnetz/forschungsberichte,did=73430.html&foo=5
• The Volunteer Spirit in Canada: Motivations and Barriers. http://www.givingandvolunteering.ca/pdf/reports/Volunteer_Spirit.pdf
• http://www.buerger-fuer-buerger.de